Schuljahr 2025/26

Auf den Spuren der Klassik: Der Deutsch-Leistungskurs auf Entdeckungsreise in Weimar (Juni 2026)

Eine perfekt getaktete literarische Bildungsreise führte den Deutsch-Leistungskurs des Max-Planck-Gymnasiums vom 16. bis 18. Juni 2026 für drei Tage in die thüringische Kulturhauptstadt Weimar. Drei Tage lang tauschten die Schülerinnen und Schüler den Berliner Schulalltag gegen die historischen Stätten der Weimarer Klassik, um die im Unterricht behandelte Epoche hautnah vor Ort zu erleben. Begleitet wurde die gesamte Fahrt von wunderbarem Sommerwetter, sodass die Gruppe die Sonne ausgiebig beim Eisessen und beim Entspannen im Park genießen konnte. Überhaupt verstand sich die Gruppe untereinander prächtig und unternahm fast alles gemeinsam, was die Stimmung durchgehend harmonisch machte. Ein großer Pluspunkt war dabei die Kompaktheit der Kulturstadt: Die Übersichtlichkeit und das pittoreske Flair Weimars erlaubten es, alle Wege problemlos zu Fuß zurückzulegen und die historische Kulisse ganz entspannt zu genießen.

Die Reise begann am frühen Dienstagvormittag am Berliner Hauptbahnhof, von wo aus die Gruppe mit dem ICE und der Regionalbahn nach Weimar reiste. Nach dem Eintreffen und dem Einlagern des Gepäcks im Familienhotel in der Seifengasse startete direkt das dichte Kulturprogramm. Den Auftakt bildete die geführte Thementour „Inszenierte Geschichte“ im Innenhof des Wittumspalais, bei der die Leiterin überaus kurzweilig erzählte und die vielen Fragen der Schülerinnen und Schüler stets souverän beantwortete, was der Gruppe einen fundierten Einstieg in die historischen Hintergründe der Stadt bot. Am Nachmittag folgte das absolute Highlight für die meisten Teilnehmenden: der Besuch der Herzogin Anna Amalia Bibliothek im berühmten Rokokosaal. Dass diese geschichtsträchtige Bibliothek nach einem verheerenden Brand mühsam wiederaufgebaut werden musste und heute wieder in völlig neuem Glanz erstrahlt, faszinierte alle. Die prächtigen Goldverzierungen, die historischen Büsten, die aufwendig restaurierten Bücher und die kunstvollen Gemälde hinterließen einen tiefen Eindruck. Nach dem anschließenden Bezug der drei Apartments, die sich als sehr großzügig, modern und gemütlich erwiesen, blieb noch Zeit für eine individuelle Abendgestaltung in der historischen Altstadt. Als fortlaufendes Projekt während der Tage in Weimar fungierte eine kreative Moodboard-Aufgabe, bei der die Schülerinnen und Schüler visuelle Eindrücke sammelten, die nach der Fahrt im Unterricht ausgewertet wurden und von denen einige Beispiele hier zu sehen sind.

Der Mittwoch startete mit einem gemeinsamen Frühstück und der Tagesplanung im Hotelrestaurant „Gretchens“, bevor sich der Kurs ganz den beiden großen literarischen Genies der Stadt widmete. Dabei wurde schnell deutlich, dass die legendäre Freundschaft zwischen Goethe und Schiller nicht nur durch das berühmte Monument auf dem Theaterplatz sicht- und spürbar war, sondern sich wie ein roter Faden durch die gesamte Stadtgeschichte zieht. Am Vormittag erkundete die Gruppe im Goethe-Nationalmuseum die Ausstellung „Lebensfluten – Tatensturm“ und wandelte direkt im Anschluss mit Audioguides durch Goethes geschichtsträchtiges Wohnhaus. Nach einer kurzen Mittagspause wechselte der Kurs die Perspektive und besichtigte Schillers Wohnhaus sowie die „Faust“-Ausstellung im benachbarten Schiller-Museum. Ein ganz besonderer kultureller Höhepunkt wartete am Abend im e-Werk Weimar, wo die Schülerinnen und Schüler unter freiem Himmel eine Aufführung von Molières klassischer Komödie „Der Menschenfeind“ besuchten. Diese moderne Sommertheater-Inszenierung mit viel Tanz, Gesang, dem intensiven Einsatz einer Nebelmaschine, einem ominösen Radfahrer und einem Bühnenbild, das stark an ein Weinfest erinnerte, konnte zwar nicht jeden im Kurs restlos überzeugen, sorgte aber dennoch für einen überaus amüsanten und viel diskutierten Abend.

Auch der Donnerstag wurde bis zur Abreise intensiv genutzt. Nach dem Frühstück und dem Räumen der Zimmer versammelte sich der Kurs am Stadtschloss für die thematische Führung „Phönix aus der Asche“. Zum Abschluss der Reise ging es in den idyllischen Park an der Ilm, wo die Gruppe bei einer Audioguide-Führung Goethes Gartenhaus besichtigte und die friedliche Atmosphäre des herrschaftlichen Rückzugsortes genoss. Direkt im Anschluss und als runder Abschluss der Fahrt kam der Kurs im Garten von Goethes Gartenhaus zu einer gemeinsamen Feedbackrunde zusammen, in der noch einmal viele persönliche Highlights der Reise zur Sprache kamen. Am Nachmittag trat der Kurs schließlich die Heimreise über Erfurt an und erreichte am frühen Abend wohlbehalten und voller neuer Eindrücke wieder den Berliner Hauptbahnhof.


Kleist-Museum in Frankfurt (Oder)

„Man wird mich erst in hundert Jahren lesen.“ Diesen Satz soll Heinrich von Kleist einmal gesagt haben. Tatsächlich hatte der berühmte Dramatiker zu Lebzeiten nur wenig Erfolg. Seine Bücher verkauften sich schlecht, und viele Zeitgenossen fanden seine Texte zu ungewöhnlich und zu kompliziert. Vielleicht ahnte Kleist aber schon, dass spätere Generationen seine Werke besser verstehen würden. Heute gehört er schließlich zu den wichtigsten Autoren der deutschen Literatur und seine Texte werden in Schulen und Universitäten gelesen.

Um mehr über Kleist, seine Werke und seine besondere Sprache zu erfahren, machten sich zwei Deutsch-Grundkurse gemeinsam auf den Weg nach Frankfurt (Oder). Im Unterricht hatten wir zuvor das Drama „Der zerbrochne Krug“ gelesen und sogar eine kleine Klassenzimmerinszenierung erlebt. Nun wollten wir den Autor hinter dem Werk besser kennenlernen.

Nach einer etwa einstündigen Bahnfahrt, die mit Freunden aus beiden Kursen natürlich viel schneller verging, kamen wir in Frankfurt (Oder) an. Schnell fiel uns auf, wie ruhig die Stadt im Vergleich zu Berlin wirkte. Fast hatte man das Gefühl, wir wären die einzigen Besucher an diesem Tag.

Im Kleist-Museum angekommen, entdeckten wir gleich ein besonderes Ausstellungsstück: bunte Scherben eines Kruges, die von Grundschulkindern aus der Region gestaltet worden waren, eine kreative Anspielung auf den Zerbrochnen Krug. Anschließend wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt und konnten glücklicherweise mit unseren Freunden zusammenbleiben. Das machte die Führung gleich noch interessanter.

Während des Rundgangs erfuhren wir nicht nur viel über Kleists berühmte Werke und ihren Einfluss auf die Literatur, sondern auch über sein bewegtes Privatleben, seine Reisen, seine Beziehungen und die letzten Tage vor seinem Tod. So wurde aus dem Autor, den wir bisher nur aus dem Unterricht kannten, plötzlich eine echte Persönlichkeit mit einer spannenden Lebensgeschichte.

Nach dem Museumsbesuch ging es gemeinsam auf die Insel Ziegenwerder, wo wir bei bestem Wetter ein Picknick machten. Jeder hatte etwas mitgebracht: Obst, selbst gebackene Leckereien, Chips und andere Snacks. Danach spazierten wir durch den Park und entlang der historischen Fischerstraße, bevor wir die Rückfahrt nach Berlin antraten.

Der Ausflug hat gezeigt, dass Literatur nicht nur aus dicken Büchern und Unterrichtsgesprächen besteht. Manchmal hilft ein Blick hinter die Kulissen oder ein Ausflug an den Geburtsort eines Autors, um ein Werk und seine Zeit wirklich besser zu verstehen.

Von Ada, GK Deutsch